"Ich wäre gern der Präsident aller VfB-Fans geworden – leider hat es nicht gepasst"

Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer zieht seine Kandidatur für das Amt des VfB-Präsidenten zurück. Im Interview spricht er über die Beweggründe für seine Entscheidung.

Herr Klopfer, wir sind überrascht und irritiert: Sie stehen nicht mehr als Kandidat für das Präsidentenamt des VfB zur Verfügung?
Ja, das ist richtig. Ich habe dem Vereinsbeirat mitgeteilt, dass ich meine Kandidatur für das Amt des VfB-Präsidenten zurückziehe.

Warum?
Aus verschiedenen Gründen. Und um eines Vorwegzunehmen: Alle möchte ich hier auch nicht ausführen. Zum einen, weil ich keiner bin, der nachtritt und zum anderen, weil ich gebeten wurde, meine Gespräche mit dem Vereinsbeirat vertraulich zu behandeln. Das respektiere ich natürlich.

Was können Sie uns verraten?
Zum Beispiel, was mich bereits vor dem offiziellen Bewerbergespräch mit dem Beirat immens gestört hat. Da wurde der neue Vorstandsvorsitzende gekürt, bevor der Präsident gewählt ist. Aus meiner Sicht die falsche Reihenfolge – und eine klare Kampfansage des Aufsichtsrats.

Kampfansage an wen?
An alle Kandidaten, die sich öffentlich positioniert hatten und wie ich Wert darauf legen, dass erst der Präsident, dann der Vorstandsvorsitzende gewählt wird. Das war eine Machtdemonstration. Der Tenor: Wir bestimmen – und dazu benötigen wir keinen Präsidenten. Kein guter Beginn.

Was störte Sie noch?
Ach, lassen Sie uns damit aufhören – und lieber davon sprechen, was ich wollte. Meine Vision vom VfB: Transparenz, Teamwork – und all das in einem Club, in dem nicht alles von den üblichen alten Machtzirkeln geregelt wird. Ein Verein, der modern und fortschrittlich aufgestellt ist – was sich natürlich auch in der Zusammenstellung der handelnden Personen in den Gremien widerspiegeln müsste. Ein Club, in dem sich alle wohlfühlen und mitgenommen fühlen.

Und das war nicht möglich?
Dazu müssten schon einige Dinge zusammenkommen. Es benötigt ein ganzes Team, das neu in die Verantwortung geht, mit Menschen, die sich gegenseitig vertrauen und unterstützen, um solche Veränderungen zu bewirken. Es gibt große Herausforderungen zu bewältigen. Eine Person im Ehrenamt stößt da schnell an Grenzen. Zumindest, wenn man wirklich etwas bewegen will.

Bereuen Sie Ihre Kandidatur?
Auf keinen Fall. Es war interessant. Ich habe einige Erfahrungen gesammelt und hatte interessante Begegnungen. Auch sehr nette – zum Beispiel als ich mich mit den wichtigsten Menschen, die es in so einem Verein gibt, in meiner Stammkneipe getroffen habe: echten Fans, die sich jeden Tag für ihren Verein einsetzen und das seit Jahren. Und ich habe viel über meinen Verein gelernt. Auch, dass es mit mir und einigen Verantwortlichen dort nicht passt. Und das ist völlig wertfrei und sachlich gemeint. Da gibt es einfach zu unterschiedliche Denkweisen.

Was bleibt?
Ein klein wenig Wehmut. Ich wäre gerne der Präsident aller VfB-Fans geworden, ein Präsident der Kurve, der Gegengerade, des Familienblocks und der Abteilungen. Ich wünsche unserem VfB alles Gute für die Zukunft. Auf dass die offizielle Vision des VfB schon bald Wirklichkeit wird: Mit der Kraft der eigenen Jugend international Fußball spielen.

Zurück nach Schorndorf. Dort geht seit Wochen das Gerücht um, dass Sie die Kandidatur beim VfB nur dazu benutzen, Ihren Bekanntheitsgrad zu steigern: Weil Sie bei der nächsten Stuttgarter OB-Wahl antreten wollen.
Das lässt sich leicht und schnell beantworten. Da ist nichts dran. Null. Weder, dass ich meinen Bekanntheitsgrad steigern wollte, noch, dass ich dort antrete. Meine Kandidatur beim VfB war eine Bauchentscheidung, weil der VfB eine Herzensangelegenheit ist. Ohne Hintergedanken. Leider hat es nicht gepasst.